Dr. med. Reinhard Stöhring
Kardiologe
Dr. med. Martina Werle
Kardiologin

Wichtige Untersuchungsmethoden in der Kardiologie

1. Anamnese: (griech.) Erinnerung = Krankengeschichte

Bei der Anamneseerhebung erfragt der Arzt im Gespräch mit dem Patienten Art, Beginn und Verlauf der aktuellen Beschwerden und sonstiger wichtiger Erkrankungen. Von großer Bedeutung sind für den Arzt darüber hinaus Informationen über frühere Erkrankungen des Herzens sowie auch über sogenannte Risikofaktoren (z.B. Rauchgewohnheiten oder erhöhte Cholesterin- und Blutdruckwerte usw.). Außerdem sind Informationen über Herzerkrankungen in der Familie des Patienten hilfreich.

Das persönliche Gespräch in angenehmer Atmosphäre und ohne Zeitdruck liefert einen wesentlichen Beitrag zum Behandlungserfolg!

2. Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung verschafft sich der Arzt einen Gesamteindruck über den körperlichen Zustand des Patienten.

Dabei werden die wesentlichen Funktionen von Herz, Kreislauf, Lunge und anderen Organen überprüft (z.B. Blutdruck- und Pulsmessung, Regelmäßigkeit des Herzschlages, Herz- und Atemgeräusche, Leberbeschaffenheit) und eventuelle Abweichungen vom Normalen festgestellt.

3. EKG

Aufzeichnung von elektrischen Impulsen, die während des Herzzyklus entstehen und von der Körperoberfläche über sogenannte Elektroden abgeleitet werden. Es zeigt u.a. Durchblutungsstörungen des Herzens, einen abgelaufenen Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen sowie entzündliche und muskuläre Veränderungen des Herzens an. Einfache und aussagekräftige Methode.

4. Laboruntersuchungen

Zu den wichtigsten Routine-Laborparametern gehören in der Kardiologie sogenannte Elektrolyte (z.B. Kalium und Natrium), Blutbestandteile (z.B. Blutplättchen und andere Gerinnungsfaktoren, rote und weiße Blutkörperchen), Herzenzyme, Leber-und Nierenwerte sowie Risikoparameter (z.B. Cholesterin, Blutzucker und Harnsäure). Spezielle Blutuntersuchungen, z.B. pro-BNP, CRP oder Troponinbestimmung, werden bei gezielten Fragestellungen veranlasst.

5. Röntgen

Röntgenaufnahmen des Brustkorbs werden in erster Linie zur Ermittlung von Herzgröße und –form durchgeführt, die bei angeborenen oder erworbenen Herzfehlern typisch verändert sein können. Daneben können verschiedene Ursachen von Luftknappheit abgeklärt werden (u.a. Herzmuskelschwäche oder Lungenentzündung). Weiterhin lassen sich Wirbelsäulenveränderungen darstellen, die Brustschmerzen verursachen können.Röntgenuntersuchungen der Brustorgane sind heutzutage nur noch selten erforderlich.

6. Belastungs-EkG

Grundlagen wie beim EKG. Die Belastung wird meistens auf einem sogenannten Fahrrad-Ergometer im Sitzen oder im Liegen durchgeführt. Dabei wird die Belastung nach einem festen Schema stufenweise automatisch erhöht, in der Regel alle 2 Minuten. Durch die ansteigende Belastung nimmt der Sauerstoff-Verbrauch des Herzens zu. Sind Engstellen (Stenosen) der Herzkranzgefäße vorhanden, kommt es zu einer Sauerstoff-Not des Herzens, die an Veränderungen der EKG-Kurve erkennbar ist. Außerdem liefert diese Untersuchung dem Arzt wichtige Erkenntnisse über die Blutdruck- und Herzfrequenz-Regulation. Auch Herzrhythmusstörungen können unter Belastungs-bedingungen häufig leichter erkannt werden.

7. Echokardiographie (Ultraschall-Doppler-Untersuchung)

Untersuchungsmethode zur Beurteilung der Pumpfunktion des Herzens, der Herzgröße, der Herzwände, der Herzklappen usw. Dieses moderne Verfahren liefert viele Detailinformationen über die Funktion des Herzens. Es ist völlig ungefährlich und schmerzfrei. Bei speziellen Fragestellungen ist eine Durchführung mit Belastung auf einem Fahrradergometer oder unter einer Medikamenteninfusion (=Stress-Echokardiographie), durch die Speiseröhre (=TEE=transösophageale Echokardiographie) oder mit Kontrastmitteln möglich.

Stress-Echokardiographie: Echokardiographie unter Belastungsbedingungen. Dabei wird die Belastung während der Echokardiographie entweder auf einem besonderen Fahrrad-ergometer (wie unter 6) oder medikamentös durch Infusion einer speziellen Substanz durchgeführt. Durch die originalgetreue Darstellung der Arbeitsweise des Herzens in Form bewegter Bilder (Echokardiographie) können minderdurchblutete Areale des Herzmuskels infolge von Herzkranzgefäßverengungen (Sauerstoff-Not, s. auch unter 6) mit hoher Genauigkeit und leichter als in der EKG-Kurve des Belastungs-EKG’s erkannt werden. Die medikamentöse Belastung bewirkt eine Zunahme der Pumpleistung des Herzens und des Pulses wie bei einer echten körperlichen Belastung. Ein Vorteil gegenüber der Fahrrad- ergometrie besteht u.a. in besseren Untersuchungsbedingungen durch die ruhige Lage des Patienten.

TEE=transösophageale Echokardiographie: Bei dieser Untersuchung wird ein endoskopartiges Instrument über die Speiseröhre eingeführt. (=„Schluckecho“). An der Spitze des Gerätes befindet sich ein sogenannter Schallkopf, der Ultraschallwellen (wie unter 7) aussendet. Der Schallkopf wird über die Speiseröhre direkt hinter dem Herzen plaziert. Dadurch entfallen störende Einflüsse der Brustwand und der Arzt erhält brilliante Bilder auch von sehr feinen Strukturen des Herzen. So können z.B. Herzklappen exakt beurteilt oder Blutgerinnsel im Herzen entdeckt werden. Auf Wunsch des Patienten kann die Untersuchung unter einer leichten Sedierung (Betäubung) durchgeführt werden. Der Rachen wird in jedem Fall betäubt. Mindestens 6 Stunden vor der Untersuchung darf der Patient nichts essen und nur höchstens 1 Tasse trinken.

8. Ergospirometrie

Belastungsuntersuchung auf einem Fahrradergometer oder Laufband mit Bestimmung von Blutgasen und Laktat (=Salz der Milchsäure).Diagnostisches Verfahren, mit dem sich qualitativ und quantitativ Reaktionen von Herz, Kreislauf, Atmung und Stoffwechsel während muskulärer Arbeit sowie die Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge objektiv beurteilen lassen. Geeignete Methode zur Beurteilung von Therapien (medikamentös wie operativ), Trainingseffekten (bei Sportlern) und der Prognose bei schweren Herzkrankheiten.

9. 24-h-Speicher-EKG (Langzeit-EKG)

Im 24-h-Speicher-EKG lassen sich Herzrhythmusstörungen außerhalb der Praxis unter Alltagsbedingungen registrieren und zuordnen. Dazu werden 3-5 Klebeelektroden am Oberkörper befestigt und mit einem Aufzeichnungsgerät von der Größe eines kleinen Kassettenrekorders verbunden. Das Aufzeichnungsgerät wird am Hosengürtel oder wie eine Umhängetasche getragen. Die moderne Elektronik ermöglicht die kontinuierliche Aufzeichnung der Herzaktion von Schlag zu Schlag, meist über 24 Stunden. Duschen oder Baden ist während dieser Zeit nicht möglich. Computergestützt können anschließend Ereignisse wie Herzrasen, Herzstolpern oder krankhafte Verlangsamungen des Pulses als Ursache von Schwindel oder Bewußtseinsstörungen ausgewertet werden.

Spätpotential-Analyse: technisch modifizierte Methode des EGK’s ( s. unter 3) zur Fahndung nach Herzrhythmusstörungen bei Risikopatienten nach einem Herzinfarkt.

10. 24-h-Blutdruckmessung

Bei der 24-h-Blutdruckmessung können Blutdruckwerte außerhalb der Praxis unter Alltagsbedingungen gemessen und aufgezeichnet werden. Wichtig zur Erkennung von abnormen Blutdruck-schwankungen am Tage und in der Nacht. Dazu wird eine herkömmliche Blutdruckmanschette am Oberarm befestigt und mit einer „Pumpe“ von der Größe eines kleinen Kassettenrekorders verbunden. Die „Pumpe“ wird wie eine Umhängetasche getragen und „bläst“ die Manschette automatisch im 10-, 15- oder 30-Minuten-Takt auf. Kurz aufeinander folgende Messungen weisen auf deutlich erhöhte Blutdruckwerte oder technische Probleme hin. Der Arm ist möglichst gerade zu halten. Duschen oder Baden ist während der 24-stündigen Messperiode nicht möglich. Störungen des Schlafes sollten ohne zusätzliche innere Erregung im Interesse der Diagnostik in Kauf genommen werden.Anschließend werden die Messwerte mit statistischer Analyse ausgedruckt und ausgewertet.

11. Herzszintigraphie („Gamma-Kamera“)

Modernes Untersuchungsverfahren mit großer diagnostischer Treffsicherheit bei Durchblutungsstörungen des Herzmuskels. Dabei werden kleinste Mengen einer schwach radioaktiven Substanz über eine Armvene injiziert. Durch hochempfindliche Messinstrumente (sogenannte Gamma-Kamera) gelingt es, die Verteilung der Substanz im Herzen zu verfolgen. So können beispielsweise Infarktnarben, Auswirkungen von Verengungen der Herzkranzgefäße oder das Ausmaß von Klappenfehlern erkannt werden. Die Untersuchung wird zunächst unter Belastungsbedingungen durchgeführt (wie unter 6), anschließend nach 2-3 stündiger Pause unter Ruhebedingungen wiederholt. Befürchtungen wegen hoher Strahlenbelastung sind unberechtigt. Sie entspricht ungefähr der einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs (wie unter 5).

12. Magnetresonanztomographie (Kardio-MRT)

Die Kernspintomographie (= Magnetresonanztomographie = MRT) ist eine bildgebende, nicht-invasive Untersuchungsmethode zur Darstellung des Herzens ohne Röntgenstrahlen. Mit Hilfe eines Magnetfeldes werden Radiowellen erzeugt und auf bestimmte Abschnitte des Herzens geschickt. Dabei werden Echosignale erzeugt, die von einem Computer in zwei- und dreidimensionale Bilder und Bewegungsabläufe umgewandelt werden. So können ohne Einsatz des Herzkatheters wichtige Informationen über die Funktion und den Zustand des Herzens gewonnen werden, z.B.

  • über die Durchblutungsverhältnisse des Herzens in Ruhe und bei Belastung (pharmakologisch durch Adenosin)
  • über die Pumpleistung des Herzens in Ruhe und bei Belastung (pharmakologisch durch Adenosin)
  • über die Funktion und den Zustand der Herzklappen
  • über den Zustand des Herzmuskels nach einem Herzinfarkt (Narben) oder im Verlauf einer Herzmuskelentzündung
  • über Fehlbildungen des Herzens und der Gefäße
  • über eine Herzbeteiligung bei seltenen Stoffwechselerkrankungen


13. Kardio-CT

Eine Kardio-CT (= Kardio-Computertomographie) ist eine bildgebende, nicht-invasive Untersuchungsmethode, die unter Verwendung von Röntgenstrahlung eine zuverlässige Aussage über den Zustand der Herzkranzgefäße erlaubt. Kleinste Kalkablagerungen in den Gefäßwänden können mittels Computeranalyse mit hoher Empfindlichkeit gemessen werden, woraus sich unter Anwendung spezieller Formeln der alters- und geschlechtsbezogene Kalkgehalt der Herzkranzgefäße berechnen lässt (Kalk-Score).Bei zusätzlicher Anwendung eines Kontrastmittels lassen sich auch Verengungen der Herzkranzgefäße direkt nachweisen. Darüber hinaus gelingt eine dreidimensionale Darstellung des Herzens.So wird es möglich, ohne Einsatz des Herzkatheters Informationen über die Beschaffenheit der Herzkranzgefäße sowie über die Durchgängigkeit von Bypässen und Koronarstents zu erhalten.

14. Rechtsherzkatheter (Einschwemmkatheter)

Bei der Rechtsherzkatheteruntersuchung wird ein klein-dimensionierter biegsamer Katheter vom Ausmaß einer Bleistiftmiene durch eine Armvene bis ins Herz und in die Lungenstrombahn vorgeführt. Nach örtlicher Betäubung erfolgt ein Einstich in eine Vene im Bereich des Ellenbogens. Über diesen Zugang wird der Katheter eingeführt und in die große obere Hohlvene dirigiert. Dann wird ein an der Spitze des Katheters befindlicher Ballon aufgeblasen, so dass der Katheter dem Blutstrom folgend in das rechte Herz und weiter in die Lungenschlagader eingeschwemmt wird. Dabei können in Ruhe und unter Belastung (wie unter 6) Druckwerte und Pumpleistung des Herzens gemessen werden. Angewendet wird die Untersuchung u.a. bei bestimmten Herzklappenfehlern, bei Herzmuskelschwäche oder zur Differenzierung von Ursachen bei Luftnot. Die Belastungen des Patienten bestehen in dem Einstich in die Vene, die unter Lokalanästhesie vorgenommen wird, und den manchmal vorübergehend auftretenden Unregelmäßigkeiten des Herzschlages, die überwiegend harmlos sind. Rechtherzkatheteruntersuchungen kommen heutzutage nur noch selten zum Einsatz.

15. Linksherzkatheter mit Koronarangiographie

Nur in Ausnahmefällen ist nach den aufgeführten Untersuchungen (1-12) die Ursache des Herzschmerzes nicht geklärt, so daß es notwendig werden kann, einen Linksherzkatheter mit Koronarangiographie durchzuführen. Ansonsten ist diese Untersuchung nur dann erforderlich, wenn z.B. zur Verhütung eines Herzinfarktes eine Ballonerweiterung (evtl. mit Einpflanzung einer Gefäßstütze=Stent) oder eine Herzoperation notwendig erscheinen. Bei dieser Untersuchung führt der Arzt einen flexiblen Katheter über eine Pulsader (Arterie) des Armes oder der Leiste in das linke Herz. Im Herzen wird der Druck gemessen. Anschließend wird nach Einführen des Katheters in die Mündung der Herzkranzgefäße unter röntgenologischer Kontrolle ein Kontrastmittel in die Herzkranzgefäße injiziert, um sie darzustellen und auf Filmen aufzuzeichnen. Auf diese Weise kann man eindeutig Gefäßverengungen erkennen. Danach wird zur Darstellung der Herzkammern und ihrer Funktion ein Kontrastmittel über einen ausgetauschten Katheter in das Herz gespritzt. Anhand der Befunde kann dann entschieden werden, welche Behandlung am sinnvollsten ist (z.B. medikamentös, Ballonerweiterung, Bypass- oder Herzklappen-Operation). Risiken und Komplikationen dieses invasiven diagnostischen bzw. therapeutischen Vorgehens sind bei verantwortungsbewußter Indikationsstellung und kompetenter Durchführung im Vergleich zum Nutzen der Untersuchung vertretbar klein.

16. Herzschrittmacher- und Defibrillatorkontrollen

Herzschrittmacher- und Defibrillatorkontrollen werden in regelmäßigen Abständen erfolgen, etwa ein- bis zweimal im Jahr. Defibrillatoren müssen gegebenenfalls häufiger überprüft werden, z.B. nach Abgabe einer programmierten Therapie. Es werden dabei u.a. Batteriezustand und Funktion wichtiger Einstellungen und Eigenschaften des Schrittmachers/Defibrillators überprüft. Außerdem verfügen die modernen Geräte über Speicherfunktionen, die Herzrhythmusstörungen registrieren und aufzeichnen. Für die Kontrolle sind spezielle Programmiergeräte erforderlich. Es sollte stets der Schrittmacherausweis mitgeführt und dem Arzt vorgelegt werden.

17. Risikobestimmung für Herz- und/oder Gefäßereignisse

Auf wissenschaftlicher Grundlage wird anhand von Alter, Geschlecht, BMI (Body-mass-index), Blutdruck, Lipidstatus, Blutzucker, Rauchgewohnheiten, Familienanamnese und anderer kardio-vaskulärer Parameter mit speziellen Formeln errechnet, wie hoch das prozentuale Risiko ist, innerhalb der nächsten Jahre an einem Herz- oder Gefäßereignis zu erkranken.

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